Zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche lud die deutschlandweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche am 26. April 2014 zu einem Aktionstag ein, an dem die Arbeitsgruppen des Vereins sowie zahlreiche weitere Gruppen im ganzen Bundesgebiet auf das Leid der Tiere und die wissenschaftliche Unsinnigkeit des Tierversuchs aufmerksam machen. Der Verein tritt aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen für eine tierversuchsfreie Forschung ein. In 29 Städten finden 34 Demos, Infostände, Menschenketten und andere Aktionen statt.
Tierversuche sind ein Lotteriespiel, denn die Ergebnisse können nicht zuverlässig vom Tier auf den Menschen übertragen werden, wie zahlreiche wissenschaftliche Studien und Medikamentenskandale beweisen, so die Botschaft der Ärztevereinigung. So gehen in Deutschland jährlich mindestens 58.000 Todesfälle auf das Konto von Arzneinebenwirkungen. Die zuvor durchgeführten Tierversuche konnten die fatalen Folgen nicht vorhersagen.
Zudem seien Tierversuche aufgrund ihrer Grausamkeit nicht hinnehmbar. Jedes Jahr leiden und sterben in deutschen Labors über drei Millionen Mäuse, Ratten, Fische, Kaninchen, Schweine, Frösche und weitere Tiere. Sie werden vergiftet, genmanipuliert, verbrüht, verstrahlt, mit Krankheitserregern infiziert, ihr Gehirn wird aufgebohrt oder ihre Augen werden entfernt oder zugenäht. Das Repertoire an Grausamkeiten, das Tieren im Labor angetan wird, ist laut Ärzteverein schier unerschöpflich. So werden Mäuse durch Elektroschocks dazu gebracht, beim Ertönen eines Signals über eine Wand zu springen. Kätzchen werden unter stroboskopischem Flackerlicht aufgezogen, weil Experimentatoren die Entwicklung der für das Sehen zuständigen Gehirnbereiche ergründen wollen. Affen werden Schweineorgane eingepflanzt; die Tiere sterben qualvoll an der Abstoßungsreaktion.
Solche Versuche sind klinisch irrelevant, sie dienen der reinen Stillung der Forscherneugier, wofür wehrlose Tiere unvorstellbare Qualen ertragen müssen. Mit dem bundesweiten Aktionstag rückt die Ärztevereinigung das Leid der Tiere und die wissenschaftliche Unsinnigkeit von Tierversuchen in den Blick der Öffentlichkeit. Der Verein tritt für eine umgehende Abkehr vom tierexperimentellen System zu Gunsten einer ethischen Wissenschaft, die mittels Computersimulationen, Forschung an menschlichen Zellen, Biochips sowie mittels Bevölkerungsstudien zu klinisch relevanten Ergebnissen kommt.
Der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche geht auf den Geburtstag von Lord Hugh Dowding zurück, der sich im Britischen Oberhaus für den Tierschutz einsetzte und wird in diesem Jahr zum 35. Mal begangen. Tierrechtler weltweit machen aus diesem Anlass auf das Leid der Tiere in den Labors aufmerksam.
Anlässlich des Internationalen Tags für die Abschaffung von Tierversuchen erklärt Nicole Maisch, Sprecherin für Tierschutzpolitik:
Die Anzahl der in Deutschland für Tierversuche ,,verbrauchten" Tiere ist nach wie vor viel zu hoch. Zwischen 2010 und 2012 ist sie von 2.860.000 auf 3.080.000 gestiegen. Die jüngste Novelle des Tierschutzgesetzes zur Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie wird daran leider nichts ändern. Im Gegenteil: Die wenigen Verbesserungen, die durch die EU-Tierversuchsrichtlinie möglich wären, hat die ehemalige schwarz-gelbe Bundesregierung nicht genutzt. Stattdessen wurden Anforderungen zum Teil sogar verwässert.
So sollen die zuständigen Behörden in Zukunft keine Möglichkeit mehr haben, die Unerlässlichkeit und ethische Vertretbarkeit von Tierversuchen unabhängig zu prüfen. Das ist ein Unding (inakzeptabel) und widerspricht sowohl dem im Grundgesetz verankerten Staatsziel Tierschutz als auch der Intention der EU-Kommission. Der Deutsche Tierschutzbund und die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht haben daher zu Recht Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt.
Schwarz-Gelb war im Tierschutz ein Totalausfall. Der neue Landwirtschaftsminister Schmidt darf das Versagen seiner Vorgängerin Aigner nicht fortsetzen. Er muss sich jetzt schnell für eine richtlinienkonforme Umsetzung der EU-Vorgaben und ein Ende unnötiger und tierquälerischer Versuche einsetzen. Bisher sind allerdings keine Anstrengungen in diese Richtung zu erkennen. Seine Antwort auf eine entsprechende Anfrage von mir ist ernüchternd und macht wenig Hoffnung, in ihm einen Fürstreiter für mehr Tierschutz zu haben.
Wir werden daher den Druck auf Schmidt weiter erhöhen, um unnötiges Tierleid zu verhindern. Tierversuche müssen, wo immer möglich, durch moderne, wissenschaftlich anerkannte Alternativverfahren ersetzt werden. Dafür muss auch die Erforschung von Alternativmethoden verstärkt, die Anerkennung beschleunigt und die Anwendung zwingend vorgeschrieben werden. In-vitro-Forschung muss zum Standard in deutschen Laboren werden.